Ausstellungen

Eine Auswahl aktueller Ausstellungen und digitaler Angebote unserer ArtCard-Partnermuseen. Neue Ausstellungsempfehlungen kommen Kürze

Deutschland

Museum Wiesbaden
Taylor Swifts Ophelia, Feininger, Münter, Modersohn-Becker ...
Bis zum 26.04.2026

Taylor Swifts Song „The Fate of Ophelia” ist gerade ein globaler Hit. Er treibt Teens, die sich sonst für gar nichts interessieren, scharenweise in ein bestimmtes Museum: das Museum Wiesbaden. Es ist berühmt für seine exzellente Sammlung moderner Kunst. Doch durch Taylor Swift hat ein „Schinken” aus der Sammlung Weltruhm erlangt: Friedrich Heysers „Ophelia”, gemalt um 1900, ganz im Geiste der Gründerzeit. Dass das Gemälde jetzt extra gesichert werden muss und von Swifties angebetet wird, liegt am Musikvideo zum Song, in dem Swift als Jugendstil-Ophelia aus einem wirklich verdammt ähnlichen Gemälde steigt, um sich in ein Showgirl zu verwandeln. Das ist nicht der einzige Grund, mal nach Wiesbaden zu fahren. Anlässlich seines 200-jährigen Jubiläums zeigt das Museum in der Sonderausstellung „Feininger, Münter, Modersohn-Becker ...” seine Highlights der klassischen Moderne, die fast sämtlich Schenkungen von Privatsammlern sind. Ein echter Hingucker! Mit dabei sind Werke von Willi Baumeister, Max Beckmann, Wassily Kandinsky, Erich Heckel, Adolf Hölzel, Alexej von Jawlensky, Ida Kerkovius, Ernst Ludwig Kirchner, August Macke und Ernst Wilhelm Nay.

Friedrich Heyser, Ophelia, um 1900. Museum Wiesbaden, Sammlung F.W. Neess. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Weserburg, Bremen
Die Tödliche Doris
Ausstellung im Zentrum für Künstlerpublikationen
22.11.2025–04.10.2026

Die Berliner Kunstszene der 1980er-Jahre ist zurück. Im Sommer 2025 zeigte die Berlinische Galerie die Retrospektive von Käthe Kruse, Mitglied der Künstlergruppe und Band „Die Tödliche Doris”. Nun zeigt die Bremer Weserburg als erstes Museum eine ausführliche Retrospektive der gesamten Gruppe. Sie wurde im Umfeld der Punkbewegung von Wolfgang Müller und Nikolaus Utermöhlen gegründet, die damals beide noch an der Berliner Hochschule der Künste studierten. Die zwischen 1980 und 1987 mit wechselnden Mitgliedern aktive Gruppe verband Strategien von Warhols Factory mit Einflüssen von Fluxus, Punk, Wave, Concept-Art sowie anarchischem und poststrukturalistischem Denken. „Doris“ war kein Star und auch keine Einzelkünstlerin, sondern ein amöbenhaftes Netzwerk, ein avantgardistisches Meme, das Musik, Noise, Light- und Stripshows, Performances, Filme, Bücher, Gossip, Möbel, Malerei, Objektkunst, Vinyl, Mode und Hörspiele produzierte – sogar eine Bewerbung für einen Sitz im Berliner Senat. Die Bremer Ausstellung zeigt, wie bahnbrechend dieses künstlerische Werk war und warum die Gruppe noch heute einen solch legendären Ruf hat.

Die Tödliche Doris auf dem Festival der Genialen Dilletanten, West-Berlin, 1981

Kunsthalle Emden:
Armin Müller-Stahl: Night and Day on Earth
15.11.2025 – 12.04.2026

Am 17. November wird Armin Müller-Stahl 90 Jahre alt. Die Kunsthalle in Emden widmet dem 1930 im ostpreußischen Tilsit geborenen Schauspieler, Maler, Grafiker, Musiker und Autor mit „Nacht und Tag auf der Erde“ aus diesem Anlass eine umfassende Werkschau, die Verbindungen zwischen Müller-Stahls Schauspielerei und der bildenden Kunst schafft. Der Titel ist durch Jim Jarmuschs Film „Night on Earth“ (1991)inspiriert, dem er eine Hauptrolle spielte. Die Ausstellung spannt einen Bogen von frühen Gemälden, über druckgrafische Zyklen und großformatige allegorisch- expressive Gemälde bis zu den jüngsten Porträts Jüdischer Freunde und Weggefährten.

Ergänzt wird die Schau durch Interviews, Dokumentationen, die seine schauspielerische und malerische Entwicklung beleuchten. Müller-Stahl, der auch begeisterter Jazz-Fan ist und Romane schrieb, begann im Deutschland der Nachkriegszeit seine einzigartige künstlerische Laufbahn. In der DDR wurde er zum profilierten und gefeierten Filmschauspieler, der das Land 1976 wegen der Unterzeichnung des offenen Briefs gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR verlassen musste. Im Westen wurde er zum Gesicht des deutschen Autorenfilms, der unter anderem mit Herbert Achternbusch, Alexander Kluge und Rainer Werner Fassbinder arbeitete, und in Hollywood große Rollen übernahm, etwa neben Jessica Lange in Costa Gavras Polit- Thriller „Music Box“
(1991). In diesem Kontext bildet „Nacht und Tag auf der Erde“ ein malerisches, sehr persönliches Selbstporträt.


Portraitfoto Armin Mueller Stahl Foto Niko Schmid Burgk ©Niko Schmid-Burgk

Kunstmuseum Wolfsburg
Małgorzata Mirga-Tas: Eine alternative Geschichte
22.11.2025–15.03.2026

Wir alle wünschen uns eine alternative Geschichte. Und manche erzählen sie. So wie die polnische Künstlerin Małgorzata Mirga-Tas. Sie ist eine Bergitka-Romni und wuchs in einer Roma-Siedlung in Czarna Góra am Fuße der Tatra auf. Hier lebt und arbeitet sie noch heute. Nach ihrem Kunststudium in Krakau im Jahr 2004 begann sie, ihre eigenwillige Kunst aus Stoff und Karton zu schaffen. Dabei entstehen oft monumentale Textilbilder, die aus der Perspektive von Frauen vom Leben in Roma-Gemeinschaften und von historischen Ereignissen erzählen, die mit Krieg, Gewalt und Verfolgung zusammenhängen. Oft lässt die Künstlerin Szenen aus ihrem eigenen Familienarchiv oder ihrem Leben lebendig werden. Sie hält Generationen von Frauen in der familiären Schlichtheit des Alltagslebens in ihrem Heimatort in den 1960er- und 70er-Jahren fest, das sich erst vor dem Hintergrund des kommunistischen Regimes in Polen und dann in einer globalisierten Welt abspielt.

Mirga-Tas' bunte, oft ornamentale Arbeiten verbinden Elemente von Volkskunst mit Einflüssen anderer Kunstströmungen, etwa der Harlem Renaissance der 1920er- und 30er Jahre oder der Malerei des afroamerikanischen Künstlers Kerry James Marshall. Das Kunstmuseum zeigt die bislang umfassendste Ausstellung ihrer Arbeiten in Deutschland, darunter auch ihren gigantischen Zyklus „Re-Enchanting the World”, der 2022 auf der Biennale in Venedig im Polnischen Pavillon zu sehen war und sie weltberühmt machte.

Courtesy Museum Weserburg
Małgorzata Mirga-Tas, Re-enchanting the World, 2022, exhibition view, Małgorzata Mirga-Tas: This is not the end of the road, Bonnefanten, Maastricht, Niederlande, 2024, Courtesy the artist, Frith Street Gallery, London, Foksal Gallery Foundation, Warsaw and Karma International, Zürich, © photo: Peter Cox

K20 – Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Queere Moderne. 1900 bis 1950
Bis 15.2.2025

Genau zur richtigen Zeit: Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt mit „Queere Moderne. 1900 bis 1950“ die erste umfassende Ausstellung in Europa, die den bedeutenden Beitrag queerer Künstler*innen zur Moderne vorstellt. Mit über 130 Werken – darunter Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen, Filme, Literatur und Archivalien – von 34 internationalen Künstler*innen richtet das Ausstellungsprojekt den Fokus auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es erzählt eine alternative Geschichte der Moderne, in der queere Künstler*innen Themen wie Begehren, Gender und Sexualität sowie die Politik der Selbstdarstellung in den Mittelpunkt ihres Schaffens stellten. Sie erzählt zudem Geschichten queeren Lebens in Zeiten von Krieg und Widerstand. Mit dabei sind legendäre Modernist*innen wie Jean Cocteau, Leonor Fini, Duncan Grant, Hannah Höch, Lotte Laserstein, Jeanne Mammen, oder George Platt Lynes.

Gluck, Bank Holiday Monday, c. 1937, Private collection, courtesy of The Fine Art Society Ltd © VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Hamburger Bahnhof, Berlin
Petrit Halilaj
An Opera Out of Time
11.09.2025 – 31.05.2026

Petrit Halilajs Kindheit und Jugend waren von Krieg und Vertreibung geprägt. Immer wieder kehrt der 1986 geborene kosovarische Künstler zurück in seine Heimat, sucht seine Heimatstadt symbolträchtige Orte auf und erforscht die kollektive Geschichte, seine eigene Biografie, Märchen, Sagen. Aber auch die damit verbundene nicht-menschliche Geschichte von Tieren, Pflanzen, ökologischen Systemen, die durch den Menschen mitgeprägt wird. Halilajs poetische Installationen schaffen Raum für Freiheit, Sehnsucht, Intimität und Identität – auch dort, wo sonst kein Platz dafür ist. Dafür arbeitet er oft mit anderen zusammen. Seine Werke wurden international ausgestellt, u.a. im New Yorker Metropolitan Museum of Art oder auf der Biennale von Venedig. Jetzt zeigt er seine erste institutionelle Einzelausstellung in Berlin. eine Oper, die Möglichkeiten des kollektiven Träumens erkundet, um offene und emanzipatorische Welten hervorzubringen. Dafür lud er die Kosovo-Philharmonie ein, die nach dem Ende des Kosovokriegs gegründet wurde und dieses Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feiert.

Abbildung: 
Petrit Halilaj, RU (Aves Migrantis), 2017-22 (detail)Exhibition view New Museum, New
YorkInstallation consisting of 79 elements, wood, earth, glue, brass, resinInstalled dimensions
variableImage courtesy the artist and Chert Lüdde, BerlinPhoto by Dario Lasagni
Powered by

PalaisPopulaire, Berlin
Charmaine Poh – Deutsche Bank Artist of the Year 2025
Make a travel deep of your inside and don’t forget me to take
11.09.2025 – 23.02.2026

In ihrer weltweit ersten institutionellen Einzelausstellung beschäftigt sich Charmaine Poh, „Artist of the Year“ der Deutschen Bank, mit Zeitreisen, Machtstrukturen, Ökologie, Fürsorge und Widerstand. Poh, die in Berlin und Singapur lebt, arbeitet mit Video, Installation, Skulptur, Text und Performance. Ihre multimedialen Erzählungen kreisen um Identität, Feminismus und Queerness in Südostasien. In ihrer eigens für diese Schau geschaffenen 3-Kanal-Videoinstallation The Moon is Wet (2025) erzählt sie die Geschichte der „Majie“ – migrantischer, meist zölibatärer Hausangestellter in Singapur, die seit den 1930er-Jahren als Köchinnen und Kindermädchen in Singapur arbeiteten und eigene Lebensgemeinschaften bildeten, in denen sie auch gleichgeschlechtliche, intime Beziehungen eingingen. Der wirtschaftliche Aufstieg Singapurs ist ebenso eng mit dem Fluss des Wassers wie mit der Migration von Arbeitskräften verbunden. Die retrospektive Ausstellung plädiert für Fürsorge – für die bedrohte Erde ebenso wie für den Schutz von Frauen und der LGBTQ+-Community. Dabei thematisiert Pohs Werk das Verschwimmen der Grenzen zwischen „Natürlichem“ und „Künstlichem“. Ähnlich wie in der Ökologie fordert sie Empathie auch im Umgang mit neuen Technologien und im digitalen Raum ein.

Abbildung: 
Charmaine Poh
The Moon is Wet,Videostill, 2025
© Charmaine Poh

Städel, Frankfurt
Asta Gröting
EIN WOLF, PRIMATEN UND EINE ATEMKURVE
05.09.2025 – 12.04.2026

Asta Gröting ist eine Bildhauerin, deren Material physisch ist, aber auch Gefühle, Beziehungen und innere Welten umfasst. Sie schafft Arbeiten, die psychologische und soziale Beziehungen sowie menschliche und nicht-menschliche Geschichte in physische Formen übersetzen. Sie produziert ein sich immer weiter entwickelndes „Lexikon“ aus Videos und Skulpturen, um unsere Aufmerksamkeit auf Abwesenheit und die physischen und emotionalen Kluften zwischen Menschen, Tieren, Fassaden und anderen Dingen zu lenken. Zentrale Aspekte bilden für die 1961 geborene Künstlerin die verdrängten Traumata des 20. Jahrhunderts und der deutschen Geschichte sowie das komplexe Verhältnis zwischen Zivilisation und Natur. Seit den 1990er-Jahren zählt sie zu den prägenden Stimmen der zeitgenössischen Kunst in Deutschland. In ihren Werken macht sie das Unsichtbare sichtbar, indem sie im Alltag oft unbemerkte Prozesse oder Interaktionen in den Fokus rückt. Das können der abgeformte, intime Zwischenraum zweier Menschen beim Geschlechtsverkehr sein oder die Begegnung zwischen ihrem Hund und einem Wolf, wie in „Wolf and Dog“. Das Städel Museum präsentiert eine Einzelausstellung mit insgesamt acht filmischen Werken aus den Jahren 2015 bis 2025. Darunter ist auch Grötings jüngstes Videowerk, „Matthias, Helge und Asta“ (2025), in dem Matthias Brandt Helge Schneider und der Künstlerin die Frage stellt: „Bist du gescheitert?“ Die Antwort darauf ist, das sei schon jetzt verraten, verblüffend und absurd wie ein Beckett-Stück.

Abbildung: 
Asta Gröting
Wolf and Dog, 2021
Videostill
4K UHD-Video, Farbe, Ton, 9:58 min
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Hamburger Kunsthalle
Maria Lassnig und Edvard Munch: Malfluss = Lebensfluss
27.03. – 30.08.2026

Früher hätte man Edvard Munch (1863–1944) als Genie in den Olymp der modernen Männer-Maler gesetzt. Doch nicht nur die berühmte britische Malerin Tracey Emin verehrt Munch, dem sie Performances, Gemälde und eine gigantische, mütterliche Skulptur vor dem Munch Museum in Oslo gewidmet hat. Er inspiriert jüngere Künstlergenerationen, die ihn mit neuen Augen sehen. Da macht es Sinn, ihn mit einer Ikone der feministischen Avantgarde zusammenzubringen: Maria Lassnig (1919–2014). Sie gilt heute als Vorläuferin radikaler körperbezogener Kunstströmungen, wie Wiener Aktionismus oder weibliche Body Art. Beide erschufen eine Malerei, die ungeheuer physisch und zugleich seelisch ist. Für beide war Malerei ein Mittel radikaler Selbstbefragung. Jetzt werden zum ersten Mal gemeinsam in „Malfluss = Lebensfluss“, einer Doppelschau mit über 180 Arbeiten zu sehen sein, darunter zahlreiche Hauptwerke, aber auch eher selten gezeigte Gemälde, Arbeiten auf Papier Filme, Fotografien und Skulptur.

Maria Lassnig (1919–2014)
Ohne Titel (Schreiende), 1981
Bleistift, Aquarell auf Papier
627 x 438 mm
Maria Lassnig Stiftung
© Maria Lassnig Stiftung / VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Foto: Roland Krauss

Kunsthalle Bielefeld
Duane Linklater: Cache
21.03 –14.06.2026

Der 1976 geborene Duane Linklater ist Omaskêko Cree und erobert gerade die internationale Kunstwelt. Der Künstler, der im kanadischen Ontario lebt, gehört zu einer jüngeren Generation von indigenen nordamerikanischen Künstlern und Künstlerinnen, die sich unter neuen Vorzeichen mit den Folgen des Siedlerkolonialismus, Genoziden, der Auslöschung von indigener Kultur und Erinnerung beschäftigen. Dabei nimmt Linklater, der mit Video, Performance, Installation und Skulptur arbeitet, auch das Museum ins Visier – die Art und Weise, wie es Macht repräsentiert, Geschichte, Werte und Wissen vermittelt. Linklater, der sich mit indigener Kunst, Spiritualität, Praktiken wie der Jagd und dem Pelzhandel auseinandersetzt, reflektiert zugleich die digitale Welt, Popkultur, den westlichen weißen Kunstkanon. Dabei hinterfragt er auch Vorstellungen von Folklore und traditioneller künstlerischer Produktion. So arbeitet er mit industriellen, vorgefundenen Materialien, High-Tech, konzeptionell und oft im Kollektiv mit seiner Familie und anderen Künstlern. „Cache“, der Titel seiner ersten institutionellen Ausstellung, erinnert an den Zwischenspeicher auf dem Computer. Linklaters mit Planen bezogene Gerüst-Skulpturen thematisieren das Speichern oder Bewahren von Daten, Dingen, Erinnerungen. Die industriellen Module beherbergen Gemälde, Objekte und persönliche Dinge – nicht zur unmittelbaren Aneignung, sondern als Speicher, die sich dem Zugriff des Publikums entziehen.

Duane Linklater, teŝipitakan_cache_1, 2024, Installation view, cache, Catriona Jeffries, Vancouver, 2024. Photo: Rachel Topham Photography, Courtesy Catriona Jeffries.

Schirn Frankfurt
Thomas Bayrle
Fröhlich sein!
12.02 –10.05. 2026

Für die deutsche Kunst ist Thomas Bayrle das, was Kraftwerk in der Musik ist – eine Legende. 60 Jahre währt seine Karriere jetzt schon. Bayrle, der eng mit der Geschichte der Sammlung Deutsche Bank verbunden ist, nahm schon in den 1960er-Jahren die digitale Pixelästhetik vorweg und war mit seinen Gemälden und Drucken immer nah an der Gegenwartstechnologie dran. Fast jeder kennt seine Bilder, auf denen sich durch das Wiederholen, Vernetzen und Verweben von Einzelelementen ein flirrendes Gesamtmotiv ergibt, seien dies Autos, Stars, Logos, Sportler oder Alltagsgegenstände. Neben den Strukturen von Konsum, Arbeit, Urbanität und Technologie spielen Fortbewegung, Pop- und Massenkultur sowie (Ersatz-)Religion eine zentrale Rolle. „Fröhlich sein!“ war ein Leitsatz, den er seinen Studierenden gerne und häufig mit auf den Weg gab. Für Bayrle selbst war dies eine Lebensauffassung, eine künstlerische und politische Haltung. Ein gutes Motto für die aktuelle Zeit.

Thomas Bayrle, Kim Kardashian XII, 2021, Pigmentdruck auf Papier, 98 x 87 cm
© Thomas Bayrle, VG Bild-Kunst, Bonn 2025, Courtesy the artist and neugerriemschneider, Berlin, Foto:
Wolfgang Günzel

Europa

Tate Britain, London
Lee Miller
Bis 15.02.2026

Wohl keine amerikanische Fotografin ist so legendär wie Lee Miller: Model, Man Ray Muse, Kriegsberichterstatterin der „Vogue“, die Frau, die in Hitlers Badewanne badete. David E. Scherman nahm Miller in Hitlers privatem Badezimmer im April 1945 auf. Diese radikale performative Geste, die unmittelbar nach der Rückkehr des Paares aus dem Konzentrationslagers Dachau inszeniert wurde, wo sie die Befreiung des Lagers fotografierten, gilt als eines der außergewöhnlichsten Bilder des 20. Jahrhunderts. In diesem Herbst präsentiert die Tate Britain die größte Retrospektive, die jemals über Lee Miller gezeigt wurde. Die Ausstellung umfasst das gesamte Spektrum von Millers Schaffen, von ihrer Beteiligung am französischen Surrealismus bis hin zu ihren Kriegsreportagen, und zeigt, wie ihr innovativer und furchtloser Ansatz die Grenzen der Fotografie erweitert und einige der ikonischsten Bilder der Moderne hervorgebracht hat. Rund 230 Vintage- und moderne Abzüge, darunter erstmals gezeigte Werke, werden neben unveröffentlichtem Archivmaterial präsentiert – ein einmaliger Blick auf ihren fotografischen und künstlerischen Nachlass.

Die 1907 geborene Miller, die in New York modelte, dann nach Paris zog, Teil der Avantgarde wurde. Miller zog 1939 bei Ausbruch des Krieges, auch wegen ihrer Liebesbeziehung mit dem britischen Künstler und Kurator Roland Penrose nach London und wurde schnell zu einer führenden Modefotografin für die britische Vogue. Neben Originalmagazinen und Archivmaterial zeigt die Ausstellung ihre innovativen Arbeiten wie „You will not lunch in Charlotte Street today“ (1940) und „Fire Masks“ (1941), die in dem vom Blitzkrieg zerstörten London entstanden sind. Als Kriegsreporterin reiste Miller durch ganz Europa und dokumentierte brutale Realität des Krieges und seine Folgen. In den Jahren nach 1945 blieb Miller weiterhin eng mit einem internationalen Kreis von Künstlerfreunden verbunden. Von Isamu Noguchi in New York und Dorothea Tanning in Arizona bis hin zu Henry Moore und Jean Dubuffet, die Farley Farm, Millers in Sussex, besuchten, waren diese Porträts ihre eindrucksvollsten Nachkriegswerke.

Lee Miller, David E. Scherman dressed for war, London 1942. Lee Miller Archives. © Lee Miller Archives, England 2025. All rights reserved. leemiller.co.uk

Fondazione Prada, Mailand
Sueño Perro: Instalación Celuloide de Alejandro G. Iñárritu
18.09. 2025 – 26.02.2026

„Sueño Perro: Instalación Celuloide de Alejandro G. Iñárritu“ ist eine multisensorische Ausstellung, die an der Schnittstelle zwischen Kino und bildender Kunst angesiedelt ist und vom Oscar-prämierten mexikanischen Filmemacher Alejandro G. Iñárritu geschaffen wurde. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums von „Amores Perros” (2000), Iñárritus legendärem Debütfilm, präsentiert „Sueño Perro” bisher unveröffentlichte Aufnahmen, die die zeitlosen Themen von „Amores Perros aufgreifen. Iñárritu schildert in drei Episoden Liebe, Hass, Träume und Tod in der Millionenmetropole Mexiko-Stadt, die sich durch einen schweren Autounfall schicksalhaft überschneiden. Diese eindringlichen Outtakes, die ein Vierteljahrhundert lang im Filmarchiv der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko aufbewahrt wurden, fangen die aufgeladene und miteinander verflochtene soziopolitische Realität von Mexiko-Stadt ein, die auch Jahrzehnte später noch aktuell ist. Als Teil von „Sueño Perro“ wird der mexikanische Schriftsteller und Journalist Juan Villoro eine visuelle und akustische Installation für das erste Stockwerk des Gebäudes konzipieren. „Sueño Perro“ ist die dritte Zusammenarbeit der Fondazione Prada mit Iñárritu.

Abbildung: 
Still from Amores Perros (2000) by Alejandro G. Iñárritu, Courtesy Rodrigo Prieto. © Alta Vista Films.

MUDAM, Luxemburg
Eleanor Antin
A Retrospective
26.09.2025 – 08.02.2026

Die heute 90-jährige New Yorker Künstlerin Eleanor Antin ist so etwas wie eine Patin von Cindy Sherman. Sherman eroberte mit ihrer bahnbrechenden Fotografie-Serie "Untitled Film Stills" (1977-1980) die Kunstwelt, in der sie sich in stereotypischen Frauenrollen aus der US-Massenkultur inszenierte, als Sekretärin, Sixties-Hausfrau, Film-Noir-Blondine. Antin, fast zwanzig Jahre älter als Sherman, kam aus der Konzeptkunst und war zuvor Dichterin und Schauspielerin. Nach ihrem Umzug nach San Diego begann sie in den frühen 1970er-Jahren, Sprache, Charakter, Kostüm und Stimme in die Medien Malerei, Skulptur und Fotografie zu integrieren und erschuf verschiedene Alter Egos, die auch in ihren Filmen und Performances auftraten, zum Beispiel ein entrechteter König, zwei frustrierte Ballett-Tänzerinnen und eine hilflose Krankenschwester. Wie auch Cindy Sherman ging es ihr darum, zu zeigen, wie Geschlechterbilder auf sozialen Hierarchien und Machtverhältnissen aufbauen. Doch Antin erreichte nie dieselbe Popularität wie Sherman. Das mag daran liegen, dass ihre Inszenierungen poetischer und spielerischer sind. Oder dass Antin, die in San Diego von einer lebendigen Gemeinschaft linker Künstlerinnen und Schriftsteller umgeben war, dort an der Uni unterrichtete und eine politischere Haltung zum Feminismus hatte. Jetzt erlebt Antin eine Neubewertung, dazu wird diese hochkarätige Schau sicher beitragen.

Abbildung: 
Eleanor Antin
Nurse Eleanor, R.N., 1976/2007
Courtesy the artist

Istanbul Modern
Semiha Berksoy: Aria of All Colors
Bis 06.09.2026

Erst im Frühjahr 2025 sorgte das Werk der türkischen Opernsängerin und Malerin Semiha Berksoy (1910–2004) im Hamburger Bahnhof in Berlin für Furore. Berksoy, die in den 1930er Jahren im nationalsozialistischen Deutschland an der Berliner Musikakademie studiert hatte und 1939 durch ihre Rolle in der Richard-Strauss-Oper „Ariadne auf Naxos“ bekannt wurde, hatte auch Malerei studiert. Doch erst lange nach ihrer Rückkehr in die Türkei wurde sie als bildende Künstlerin wahrgenommen. In den 1960er-Jahren entstanden Werke, in denen zunehmend Träume, Visionen und Gefühle in den Fokus rückten. Berksoy entwickelte einen „expressiven“, völlig eigenwilligen Stil, der die Grenzen der Malerei sprengte. Das Istanbul Modern präsentiert mit „Aria of All Colors“ nun die bislang umfassendste Ausstellung über Semiha Berksoy in der Türkei. Zugleich ist die Ausstellung eine Neuinterpretation der Berliner Schau und vereint über 200 Werke Berksoys aus den Bereichen darstellende Kunst, bildende Kunst, Kino und Literatur. „Aria of Colors“ dokumentiert die einzigartigen Verbindungen, die Berksoy zwischen Oper, Theater, Malerei und Literatur hergestellt hat. Sicher eines der Kunstereignisse des Jahres in Istanbul.

Semiha Berksoy
Feast at the Prison, 1999
Dr. Nejat F. Eczacıbaşı Foundation Collection

MUDAM, Luxembourg
Simon Fujiwara: A Whole New World
20.03 – 23.08.2026

„Nur wenigen anderen Künstlern gelang es in den letzten Dekaden, das heutige Lebensgefühl zwischen Werbung, Unterhaltung und Onlinekultur zu beschreiben, in dem wir unsere Identitäten und Körper, unsere Welten radikaler denn je formen und repräsentieren können – aber zugleich im Strom der Algorithmen immer warenförmiger werden. Mit scharfsinnigem Witz spürt der 1982 geborene japanisch-britische Künstler Simon Fujiwara in seinen immersiven Videoarbeiten und Installationen den Abgründen des digitalen Turbokapitalismus, aber auch Momenten von Menschlichkeit und sogar Freude nach. Jetzt widmet ihm das MUDAM mit *A Whole New World* eine opulente, immersive Mid-Career-Retrospektive, die von der Szenografie und Dramaturgie von Freizeitparks inspiriert ist. Sie vereint Fujiwaras Werke zu einer Reihe seiner eigenen „Wunderwelten“. Diese entfalten sich im gesamten Museum und führen die Besuchenden durch Umgebungen, die sie verzaubern und zugleich verunsichern sollen. So trifft man auf Who the Baer (2020–laufend), Fujiwaras Cartoonfigur und Freizeitpark-Maskottchen. „Who“ besitzt keine feste Identität – weder Herkunft, Geschlecht noch sexuelle Orientierung oder Nationalität – und ist unablässig auf der Suche nach einem Bild des eigenen, wahren Ichs. Neben vielen Hauptwerken wie Joanne (2016), Fabulous Beasts (2015–2016) und The Mirror Stage (2009–2013), einem verspiegelten Lachkabinett, ist auch Hope House (2017–2020), Fujiwaras atemberaubende Auseinandersetzung mit der Geschichte von Anne Frank, zu sehen.

Simon Fujiwara, Likeness, 2018
Ausstellungsansicht, Simon Fujiwara, Hope House,
Blaffer Art Museum in der University of Houston, Texas, 2020-21
Foto: Sean Fleming

Tate Modern, London
Tracey Emin
27.02.–31.08.2026

Niemand hat so unerbittlich und intim über Schmerzen berichtet und gemalt wie Dame Tracey Emin, höchstens Frida Kahlo. Man kann sie in der Tradition von Munch, Schiele, aber auch von großen Poeten, Outsidern und Visionären sehen. David Bowie, mit dem sie eng befreundet war, hat über sie gesagt, sie sei wie "William Blake as a woman, written by Mike Leigh". Zugleich ist Emin, die auch in der Sammlung Deutsche Bank vertreten ist, alles andere als ein Outsider. Bereits in den 1990er-Jahren wurde sie mit „My Bed“, ihrem skandalumwitterten, für den Turner Prize nominierten, ungemachten und mit Kippen und Körperflüssigkeiten übersäten Bett, international berühmt. Emin hat nicht nur als Malerin die Welt erobert, sondern auch eine extrem schwere Krebserkrankung entgegen allen Erwartungen überlebt. In Großbritannien ist sie eine Art Nationalheiligtum und verkörpert die britische Kultur – von der Working Class bis zur Oberschicht. Jetzt wird sie mit einer gigantischen Meilenstein-Ausstellung in der Tate Modern gefeiert – ein Ereignis, das man einfach nicht verpassen darf.

Tracey Emin, The End of Love 2024. Tate © Tracey Emin

Stedelijk Museum, Amsterdam
Dan Voh
πνεῦμα (Ἔλισσα)
14.02. bis 02.08.2026

Seit mehr als zwei Jahrzehnten entwickelt der 1975 geborene Danh Vo, der als Vierjähriger mit seiner Familie von Vietnam nach Dänemark floh, eine Bildsprache, die auf Entwurzelung basiert. Der Künstler, der heute in Mexico-City und nördlich von Berlin auf seinem Güldenhof in einer Gemeinschaft von 20 Personen lebt und arbeitet, ist für seine installativen „Raumchoreografien“ berühmt, in denen er, eigene Werke, gesammelte Objekte und Arbeiten anderer Künstler vereint. Das titelgebende altgriechische Substantiv, πνεῦμα Ἔλισσα ,das ursprünglich „Hauch“ , „Atem“, oder „Wind“ bedeutet, bezeichnet das aktive, schöpferische Prinzip, das den Kosmos strukturiert. In diesem Sinne ist die Ausstellung eine Erkundung menschlicher Intimität und der Bedingungen, die das Handeln, die Resilienz und die Sinnstiftung des Einzelnen prägen. Fragmente von antiken Skulpturen, religiöse Reliquien und monumentale Fundstücke werden in einen Dialog gebracht, um zu beleuchten, wie historische Kräfte sich auf Körper, Materialien und persönliche Erzählungen auswirken.

Installation view: Danh Vo – Tropaeolum, 2023. La Bourse de Commerce, Paris. Photo: Nick Ash

Fondazione Prada, Mailand
Hito Steyerl: *The Island
Bis 30.10.2026

„The Island“, Hito Steyerls ortsspezifisches Projekt für das Osservatorio in der Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand, ist eine komplexe Filminstallation. Sie verknüpft unterschiedliche Erzählungen miteinander, die alle mit dem Motiv der Überschwemmung assoziiert sind und dringliche Themen wie die aktuellen autoritären Tendenzen, den Einsatz von KI, die Klimakrise und den politischen Druck auf die Wissenschaft aufgreifen. Der 26‑minütige Film, der auf der dalmatinischen Insel Korčula gedreht wurde und voller Animationen ist, bildet das Zentrum der Ausstellung und wurde eigens für Mailand realisiert. Der deutsche Schauspieler Marc Waschke, der öfter in Steyerls Filmen mitmacht, spielt einen tragikomischen Superhelden, der in einem Flash‑Gordon‑Kostüm und mit einem Star‑Wars‑Schwert die Welt retten muss. Es geht um Archäologie, Quantenphysik und Faschismus. „Und all das auf einer kleinen Insel in Dalmatien an der Adria. Alle diese Elemente knallen in dieser Installation aufeinander, die hoffentlich auch Kindern eine Freude bereitet“, sagt Steyerl. Dabei prallen auch unterschiedliche Zeiten aufeinander: eine medial verwirrte, kapitalistisch verzerrte und technologisch‑disruptive „Fake Time“ und „Deep Time“ – die Tiefenzeit des verborgenen geologischen Erfahrungsraums, eine Unterwasserzeit, die außerhalb des künstlich geschaffenen Spektrums des Menschen liegt.

The Island” by Hito Steyerl, Osservatorio Fondazione Prada, Milan. Photo: Andrea Rossetti, Courtesy Fondazione Prada

Amerika

SAM, Singapore
Singapore Biennale 2025: pure intention
Bis 29.03.2026

Die Singapore Biennale geht 2025 in die achte Runde. Das renommierte Kunstereignis, das vom Singapore Art Museum (SAM) organisiert wird, konzentriert sich vor allem auf den südostasiatischen Raum. Es hat dabei internationale Strahlkraft entwickelt. Diesmal fällt die Biennale mit dem 60. Geburtstag des Stadtstaates zusammen. Und das Motto „pure intention“ bezieht sich auch auf die Wahrnehmung der Gegenwart und die Intentionen für die Zukunft von Singapur. Mit über 80 einheimischen und internationalen Künstlern und Künstlerinnen, einer Vielzahl von Locations und Events, die sich durch die ganze Stadt ziehen lädt die Biennale dazu ein Singapur „durch die transformative Linse der Kunst neu zu entdecken“ und „die vielschichtigen Geschichten, die uns als Individuen und als Gesellschaft prägen“, bewusster wahrzunehmen. Dabei will die Biennale einen kritischen Dialog über zeitgenössische Themen aus südostasiatischer Perspektive anregen.
Mit dabei sind viele neue Positionen, aber auch Stars wie Pierre Huyghe, Kapwani Kiwanga, Apichatpong Weerasethakul und Ming Wong.

Key Visual of the Singapore Biennale 2025. Image courtesy of Singapore Art Museum

ICA Miami:
Joyce Pensato
02.12. 2025 – 15.03.2026

Die New Yorker Künstlerin Joyce Pensato (1941-2019) verband die gestische Formensprache des Amerikanischen Expressionismus mit der Kühle von konzeptioneller Malerei und Pop Art. Ihre Cartoonfiguren wie Homer Simpson, Felix the Cat, Mickey Mouse, Donald Duck, oder auch eigene Charaktere wie „The Juicer“ dingen tief in die amerikanische Psyche des späten 20. Jahrhunderts vor und thematisieren die latente, männliche Gewalt, die sich hinter diesen Archetypen der Massenkultur verbirgt. Pensato, die in den frühen 2000ern als Teil einer erneuerten, weiblichen US-Malerei international berühmt wurde, hat auch eine jüngere New Yorker Künstler-Generation mitgeprägt, darunter etwa Maler Christopher Wool oder Charlene von Heyl. Die Retrospektive im ICA spannt den Bogen von ihren frühen Batman-Zeichnungen aus dem Jahr 1976 über die farbenfrohen, gestischen Abstraktionen in Öl aus den 1980er Jahren bis hin ihren Comic-Gemälden, die zwischen 2000 und 2019 entstanden. Ein Trip in den dunklen Kosmos einer der wichtigsten US-Malerinnen.

Joyce Pensato, I Must Be Dreamin' (2007) Photo: Larry Lamay. © The Joyce Pensato Foundation. Courtesy of Petzel, New York.

MCA, Chicago
Yoko Ono
Music of the Mind
18.10. 2025– 22.02. 2026

Nach Stationen in der Londoner Tate, der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und dem Berliner Gropius Bau kommt nun "Yoko Ono: Music of the Mind" in die USA. Chicago ist die einzige Station. Nur im MCA hat man Gelegenheit, diese in Europa gefeierte Ausstellung zu sehen – eine der umfassendsten Retrospektiven zu Yoko Ono, mit der das Lebenswerk der Künstlerin, Musikerin und Aktivistin geehrt wird. Mit über 200 Werken, darunter Performance-Aufnahmen, Musik- und Tonaufnahmen, Partituren, Filme, Fotografien, Installationen und Archivmaterialien, wird die gesamte Karriere von Ono nachgezeichnet: Die Anfänge in New York, wo sich die japanische Künstlerin mit radikalen Performances als Pionierin der Fluxus- und Konzeptkunst etablierte. Dazu gehört das berühmte "Cut Piece" (1964), bei dem die auf der Bühne sitzende Ono zumeist männliche Zuschauer aufforderte, ihr Kleid mit einer Schere zu zerschneiden – noch heute schockierend. Gewürdigt wird auch ihre Zusammenarbeit mit legendären Musikern wie John Cage, Ornette Coleman und ihrem verstorbenen Ehemann John Lennon. Zu den jüngeren Werken gehören Onos fortlaufendes Projekt "Wish Tree" (1996–heute) sowie öffentliche Kunstwerke und Aktionen, die Onos Engagement für den Frieden verkörpern, darunter "Imagine Peace" (2003) und "Peace is Power" (2017). Ein Must-See.

Abbildung: 
Yoko Ono, Apple, 1966. Installation view, Yoko Ono: One Woman Show, 1960–1971, Museum of Modern Art, New York, NY, 2015. © Yoko Ono. Digital Image © 2015 MoMA, N.Y. Photo: Thomas Griesel.

ICA, Miami
From the Heart to the Hands: Dolce&Gabbana
Bis 14.06.2026

Mit über 300 Stücken aus Archiv- und neuen Kollektionen ist „From the Heart to the Hands: Dolce & Gabbana“ eine Liebeserklärung an die italienische Kultur, die seit jeher die Inspiration für die Kreationen von Domenico Dolce und Stefano Gabbana ist. Erstmals wird das Archiv des Modehauses so umfassend präsentiert, das kreative Genie seiner Gründer und die DNA des Unternehmens so spielerisch durchleuchtet. Dies ist keine gewöhnliche Ausstellung, sondern eine theatralische Inszenierung, bei der das Bühnenbild von Agence Galuchat stammt. Die Ausstellung, die ihre Premiere im Mailänder Palazzo Reale feierte, wurde im Dialog mit dem erweiterten Standort des ICA Miami neu konzipiert und spiegelt die Rolle des Museums als Raum für zeitgenössische visuelle Kultur wider.
Als Ode an die Handwerkskunst zeichnet sie die außergewöhnliche Umsetzung ihrer Ideen nach. Dabei führt sie durch eine Reihe immersiver Räume, die verschiedene Facetten der Vision der Designer beleuchten. Die Präsentation stützt sich auf Kunst, Architektur, Folklore, regionale Topografien und Handwerkskunst, Oper und Ballett sowie den unvergänglichen Geist der Dolce Vita.

Installation Image | From the Heart to the Hands: Dolce&Gabbana, 2025, Photo Courtesy: Dolce&Gabbana / Mark Blower

New Museum, New York
New Humans: Memories of the Future
Ab 21.03.2026

Nach über zehn Jahren Planung und drei Jahren Bauzeit öffnet das New Museum Ende März endlich wieder seine Türen – mit einem 60.000 Quadratmeter großen, futuristischen Anbau, der von einer Gruppe von Architekten, darunter OMA / Shohei Shigematsu und Rem Koolhaas, entworfen wurde. Wie die Architektur wird auch die Eröffnungsausstellung spektakulär – ein Kunstevent der Superlative. „New Humans: Memories of the Future“ zeichnet anhand der Werke von mehr als 150 internationalen Künstlern, Schriftstellern, Wissenschaftlern, Architekten und Filmemachern Schlüsselmomente des 20. und 21. Jahrhunderts nach, in denen dramatische technologische und gesellschaftliche Veränderungen neue Vorstellungen vom Menschsein sowie neue Visionen für dessen mögliche Zukunft hervorbrachten.

Die Schau vereint Meister des 20. Jahrhunderts wie Salvador Dalí und Francis Bacon mit neuen und aktuellen Werken von Künstlern wie Precious Okoyomon oder Pierre Huyghe sowie Artefakten aus der Populärkultur – etwa Prototypen von Steven Spielbergs *E.T.* und dem Monster aus den „Alien“ -Filmen. Wie schon 2021 in der Turbinenhalle der Tate Modern wird die Künstlerin Annika Yi auch hier von der Natur inspirierte Flugmaschinen im vierten Stock des Gebäudes herumschwirren lassen. Sechzehn neue Auftragsarbeiten sind zu sehen, darunter eine Serie von Gemälden von Wangechi Mutu, die ebenfalls in der Sammlung Deutsche Bank vertreten ist. Auch die deutsche Künstlerin und Filmemacherin Hito Steyerl sowie die französische Bildhauerin Camille Henrot schaffen eigens neue Arbeiten. Also, liebe Aliens, Cyborgs, Robots, Kunstfans – nichts wie hin!

Daria Martin, Soft Materials, 2004 (still). © Daria Martin. Courtesy the artist

NOMA, New Orleans
Hayward Oubre: Structural Integrity
Bis 03.05.2026

„Hayward Oubre: Structural Integrity“ ist die erste große monografische Ausstellung, die dem Werk des amerikanischen Modernisten Hayward L. Oubre Jr. (1916–2006) gewidmet ist. Mit 52 Skulpturen, Gemälden und Drucken zeigt die Ausstellung, wie der Künstler während seiner Arbeit im Süden die amerikanische Kunst geprägt hat und unterstreicht die entscheidende Rolle Schwarzer Künstler und Kunstabteilungen an HBCUs (Historically Black Colleges and Universities) für die Kunst des 20. Jahrhunderts.
Oubre wurde 1916 in New Orleans geboren und war der erste Student, der einen Bachelor of Fine Arts an der Dillard University erwarb. Von neuen Technologien, dem Atomzeitalter und dem Kampf um den Vorsprung in der Weltraumfahrt fasziniert, ist Oubre vor allem für seine Arbeiten mit einem alltäglichen Material bekannt – besonders für seine modernistischen, dynamischen Skulpturen aus eingefärbten Drahtkleiderbügeln. Obwohl Oubre in erster Linie als Bildhauer und Grafiker erfolgreich war, malte er während seiner gesamten Karriere und experimentierte mit neuen Materialien, um Schwarze Erfahrungen auf neue und eigenwillige Weise darzustellen.

Equilibrium
1969
Hayward L. Oubre, Jr. (American, 1916–2006)
Acrylic and acrylic resin on canvas
30 x 24 in.
Collection of Carla and Cleophus Thomas, Jr., image credit: Erin Croxton

Asia-Pacific

Mori Art Museum, Tokio
Roppongi Crossing 2025:
What Passes Is Time.
We Are Eternal. 03.12.2025 – 29.03.2026

„Roppongi Crossing“ heißt die Reihe von thematischen Ausstellungen, die alle drei Jahre im Mori Art Museum präsentiert werden. Die Reihe wurde 2004 ins Leben gerufen, um einen Überblick über die zeitgenössische Kunstszene Japans zu geben – und dabei auch eine Momentaufnahme zu liefern, die die künstlerischen Themen, die Stimmung der jeweiligen Zeit festhält. Für die achte Ausgabe werden die Kuratoren des Mori Art Museum von zwei international tätigen asiatischen Gastkuratoren unterstützt, um insgesamt 21 Künstler und Künstlergruppen unter dem Motto: „What Passes Is Time. We Are Eternal.“ zu präsentieren. ES geht um Vergänglichkeit und Ewigkeit. Die Positionen beschränken sich dabei nicht nur auf Malerei, Skulpturen und Videos, sondern auch Kunsthandwerk, Handarbeiten, Zines und kollektive Projekte. Dazu gehören die Schalen und Objekte des Star-Keramikers Kuwata Takuro, ebenso wie Oki Junkos psychedelisch-organische Stickereien auf jahrhundertealten Stoffen. Oder die immersiven Installationen des Studios A.A. Murakami, die Einflüsse von traditioneller asiatischer Kunst mit neuester Technologie verbinden, Maschinen, die riesige, zellförmige Seifenblasen oder flüchtige, wolkenartige Skulpturen aus Dampf hervorbringen.

Abbildung: 
A.A.Murakami
New Spring
2017
nstallation view: Studio Swine x COS, New Spring, Salone del Mobile 2017, Milan

Queensland Art Gallery I Gallery of Modern Art, Brisbane
Olafur Eliasson: Presence
06.12.2025–12.07.2026

Ab Dezember kommt mit „Presence“ eine umfangreiche Ausstellung des isländisch-dänischen Künstlers Olafur Eliasson nach Brisbane. Sie zeigt bedeutende neue Installationen, Fotografien und Skulpturen. Die Schau wurde von Eliasson und seinem Studio eigens für die Gallery of Modern Art (GOMA) entwickelt. Sie erstreckt sich über das gesamte Erdgeschoss der GOMA und umfasst mehr als 20 Kunstwerke des Künstlers aus den Jahren 1993 bis heute. Das Spektrum reicht dabei von dem bahnbrechenden Werk „Beauty” (1993), bei dem ein Regenbogen in einem Schleier aus feinem Nebel zu schweben scheint, über die immersive Felslandschaft und den kleinen Bach von „Riverbed” (2014) bis hin zu einer Reihe noch nie gezeigter Werke, die speziell für „Presence” entwickelt wurden. Dazu gehören zwei neue große Installationen, die sich mit der Polarisation von Licht befassen: „Your negotiable vulnerability seen from two perspectives” (2025) und „Your truths” (2025). Chris Saines, der Direktor des QAGOMA, sagt über Eliassons Werk: „Es zwingt uns dazu, darüber nachzudenken, wie wir uns visuell, räumlich und kinetisch mit der Welt in Beziehung setzen.“

Key Visual of the Singapore Biennale 2025. Image courtesy of Singapore Art Museum

National Gallery, Victoria, Melbourne
Women Photographers: A Legacy of Light
Bis 26.05.2026

„Women Photographers 1900–1975: A Legacy of Light“ würdigt die vielfältigen fotografischen Praktiken von mehr als achtzig Künstlerinnen, die zwischen 1900 und 1975 tätig waren. Mit Fotografien, Postkarten, Fotobüchern und Zeitschriften untersucht die Ausstellung die Rolle von Fotografinnen und wie sie als Künstlerinnen ein Bild von sich selbst, von anderen und von ihrer Zeit erschufen. Dabei reicht das Spektrum von Fotografien der Frauenwahlrechtsbewegung um die Wende zum 20. Jahrhundert über einige der ikonischsten Bilder des 20. Jahrhunderts von Diane Arbus, Dora Maar, Lee Miller bishin zur US-Frauenrechtsbewegung in den 1970er-Jahren. Von Melbourne bis Tokio, von Paris bis Buenos Aires präsentiert die Ausstellung Werke von wegweisenden Künstlerinnen wie Berenice Abbott, Claude Cahun, Imogen Cunningham, Germaine Krull, Tina Modotti, Lucia Moholy, Toyoko Tokiwa, Yamazawa Eiko und vielen anderen.

Ellen AUERBACH
R. Schottelius in New York (1953); (1992) {printed}
gelatin silver photograph
National Gallery of Victoria, Melbourne
© Ellen Auerbach. VG Bild-Kunst/Copyright Agency

Afrika